"Seit 2003 ist die Zahl der Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche
durchführen, fast auf die Hälfte zurückgegangen“, sagt die Gynäkologin
Alicia Baier im Podcast Frisch an die Arbeit. Dabei gebe es
grundsätzlich genug medizinische Infrastruktur. "Aber zu viele Praxen
und Krankenhäuser entziehen sich der Versorgung.“
Baier, 34, stammt aus Heidelberg und hat ihr Medizinstudium ursprünglich
begonnen, um Psychiaterin zu werden. Wegen der politischen Debatte um
das deutsche Abtreibungsrecht entschied sie sich aber für die
Gynäkologie als Fachgebiet.
Dass viele Ärztinnen keine Schwangerschaftsabbrüche mehr anbieten, hat
aus Baiers Sicht mehrere Gründe: "Es ist ein stigmatisiertes Thema und
der Schwangerschaftsabbruch ist der einzige medizinische Eingriff, der
im Strafgesetzbuch steht“, sagt sie. Für Ärztinnen könne das
weitreichende Folgen haben: "Wenn man Fehler macht, droht im schlimmsten
Fall nicht nur ein Berufsverfahren, sondern eine Haftstrafe.“
Medizinisch sei ein Schwangerschaftsabbruch wenig kompliziert. "Das ist
ein sehr sicherer und einfach durchzuführender Eingriff“, sagt Baier.
Um die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern, gründete Baier
schon während des Studiums eine studentische NGO, die sich für das Recht
auf einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch einsetzt. Heute
ist Baier Vorsitzende der Gruppe Doctors for Choice.
Dieses Engagement habe allerdings auch persönliche Konsequenzen, erzählt
sie. "Ich habe oft Anfeindungen erlebt“, sagt Baier. Im Internet gebe es
Seiten, auf denen Ärztinnen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen,
öffentlich angegriffen würden. "Da werden Bilder mit blutigen Händen
verbreitet und man wird als Mörderin bezeichnet“, berichtet die Ärztin.
Sie sei auch schon mehrmals von radikalen, meist
fundamentalistisch-christlichen Aktivisten angezeigt worden.
Von ihren Patientinnen hört Baier hingegen einen Satz besonders oft.
"Danke, dass Sie so nett zu mir waren.” Baier findet es erschreckend,
dass sich Frauen dafür bedanken, anständig behandelt zu werden. "Im
medizinischen Alltag sollte das eigentlich selbstverständlich sein",
sagt sie.
Im Podcast erzählt Baier außerdem, wie viel liberaler
Schwangerschaftsabbrüche in den meisten anderen europäischen Ländern
geregelt sind, warum 80 Prozent der Menschen in Deutschland für ein
weniger restriktives Abtreibungsrecht sind und weshalb sich politisch
dennoch so wenig tut.
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